Erziehung

Tagespflege in Coronazeiten

Tanja Römmer-Collmann · 04.02.2021

© Anke Thomass – AdobeStock

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Während die Kitas im „eingeschränkten Pandemie-Betrieb“ laufen, fühlen sich viele Tagesmütter und -väter in diesem Lockdown übergangen.

Während die Kitas im derzeitigen Lockdown die Betreuungszeiten der Kinder um jeweils zehn Stunden wöchentlich reduzieren und so den Betrieb zumindest ein wenig herunterfahren, gilt für die Tagespflegen und Großtagespflegen keine vergleichbare Regelung. Einzig der Appell, das Kind, wenn irgendwie möglich, zu Hause zu betreuen, gilt für alle Einrichtungen. Den zahlreichen Online-Kommentaren auf die Pressekonferenzen von NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP) und anderen Social Media ist zu entnehmen, dass sich die Tagesmütter und -väter gegenüber den Kitas zurückgesetzt und vom Land NRW im Stich gelassen fühlen.

Ungleichbehandlung

„Corona zeigt die Ungleichbehandlung von Kitas und Tagespflegestellen einmal mehr“, sagt die Leiterin einer Düsseldorfer Großtagespflege, „eine klare Wertschätzung unserer Arbeit wäre in dieser Situation sehr wichtig.“ So aber bleiben die Tagespflegepersonen mit der Organisation des Lockdowns allein: Die Betreuung läuft mehr oder weniger weiter wie bisher und sie müssen sich zusätzlich um die notwendigen Hygienemaßnahmen kümmern. „Das bedeutet zum Beispiel deutlich mehr Wäsche. Warum bekommen wir nicht wenigstens eine Einmalzahlung für die dafür nötigen Anschaffungen und Kosten?“ Auch die im November vom Ministerium für alle Tagespflegepersonen angekündigten FFP2-Masken – durchaus sinnvoll zum Beispiel beim Wickeln oder Versorgen erkälteter Kinder – seien bisher nicht ausgeliefert worden.

Nerven liegen blank

Vom Ministerium gibt es nur den dringenden Appell an die Eltern, sowohl Kita- als auch Tagespflege-Kinder möglichst zu Hause zu betreuen. Die eventuelle Auseinandersetzung darüber verlagert sich somit auf die Ebene der Eltern und Betreuungseinrichtungen. „Das bedeutet immer wieder dieselben Gespräche und Argumente und kostet uns viel Feingefühl und Energie“, berichtet die Leiterin einer Großtagespflege, die nicht namentlich genannt werden möchte, der Libelle aber bekannt ist. Viele Tagespflegepersonen bedauern, dass sich das Verhältnis zu den Eltern verschlechtert habe. „Alle stehen unter großem Druck und jede*r hat ein bisschen Angst. Die Nerven liegen schlichtweg blank.“

Weniger Stunden? Nicht vorgesehen

Denn auch die Tagespflegeeltern müssen ihr eigenes Familienleben im Lockdown irgendwie organisieren. Viele haben selbst Kinder, die nun im Homeschooling stecken oder, wenn sie kleiner sind, in der Kita weniger lang betreut werden. Statt einer – und sei es nur moralischen – Unterstützung seitens der Stadt hat das Jugendamt kürzlich in einer Mail nochmals klargestellt, dass eine Stundenreduzierung im Bereich der Tages- und Großtagespflege nicht vorgesehen und nicht möglich sei. „Letztendlich sitzen wir doch alle in einem Boot“, betont die Großtagespflege-Leiterin. „Deshalb finde ich es so wichtig, im Gespräch zu bleiben, sich gegenseitig keine Vorwürfe zu machen, sondern zusammenzustehen und vernünftige Lösungen zu finden.“

Angst um die Gesundheit

Um gesundheitliche Aspekte ist es bis zu diesem Punkt noch gar nicht wirklich gegangen ... Dabei sind Erzieher*innen und Tagespflegepersonen eine Personengruppe, die ihre tägliche Arbeit weitgehend ungeschützt ausübt und mit den Kindern in sehr nahem Kontakt ist. Bis heute gibt es keine klare wissenschaftliche Aussage dazu, wie ansteckend Kinder sind, die Covid19 womöglich symptomfrei durchmachen. „Getestet werden die kleineren Kinder jedenfalls so gut wie gar nicht“, ist die Erfahrung der Großtagespflege-Leiterin. Und so macht sich eine weitere Tagesmutter in einem Facebook-Aufruf unter anderem auch große Sorgen um ihre eigene Sicherheit und Gesundheit: „Ich will keine Heldin sein, wie von Herrn Minister Dr. Stamp tituliert. Ich will meine eigenen Kinder aufwachsen sehen. Punkt.“

Kaum verlässliche Zahlen

Verlässliche Zahlen darüber, wie viele Kinder nun wirklich während des Lockdowns weiterhin die Einrichtungen besuchen, sind schwer zu ermitteln, weil es keine zentrale Koordination aller Träger und Einrichtungen gibt. Klar ist, dass es mehr sind als im ersten Lockdown im Frühjahr 2020, als eine Bescheinigung notwendig war, dass die Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten. Aktuell gibt es den dringenden Appell der Landesregierung, die Kinder möglichst zu Hause zu betreuen – aber auch die Aufforderung an die Einrichtungen, im Einzelfall das Kindeswohl im Blick zu behalten. Verschiedenen Zeitungsberichten zufolge haben im ersten Lockdown weniger als 20 Prozent der Kinder ihre Kita oder Tagespflege besucht, aktuell sind es zwischen 30 und 70 Prozent der Kinder.

Kinderbetreuung in Düsseldorf

Lockdown-Regelung seit 11. Januar 2021

Kindertagespflege

In Düsseldorf sind gut 1300 Kindertagespflegepersonen tätig. Im Jahr 2020 bekamen knapp 3800 Kinder einen Platz in einer Kindertagespflegestelle.

Kindertagesstätten (Kitas)

In Düsseldorf gibt es rund 380 Kindertagesstätten der Stadt und anderer Träger mit knapp 29.000 Plätzen. Dazu kommen noch privatwirtschaftliche Einrichtungen der Kinderbetreuung.

Zentrale Informations- und Vermittlungsstelle

Tags: Düsseldorf , Großtagespflege , Kita , Lockdown , Tagespflege

Kategorien: Gesundheit , Erziehung , Stadtgeschehen