Gelassen erziehen

Schutzbäume mit Schuhen

Aus der Redaktion · 05.08.2021

© Friedensband

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In den nächsten Wochen startet von Düsseldorf aus eine Aktion von „Schutzbäumen“ als Zeichen gegen sexualisierte Gewalt an Kindern.

Da hängen ja Schuhe im Baum! Was soll das? Bei der ersten öffentlichen Probe zeigten die Passant:innen großes Interesse. Alle machten deutlich, dass sie den Hintergrund der Aktion „Schutzbäume“ sofort verstanden haben und unterstützen möchten. Die Aktion, die vom Düsseldorfer Verein „Aktion Weißes Friedensband“ ausgeht, soll sich in den nächsten Wochen von Düsseldorf aus bundesweit ausbreiten und ein Zeichen setzen gegen sexualisierte Gewalt an Kindern. Die Coronazeit mit ihren für schutzbedürftige Kinder gefährlichen Lockdowns sowie jüngste Ermittlungserfolge der Behörden haben mehr als verdeutlicht, dass auch in Deutschland viel zu viele Kinder sexuell missbraucht werden.

Kinderschuhe im Baum rütteln auf

Was ist die Idee hinter den Kinderschuhen in den Bäumen? Sie sind zunächst einmal ein magischer Hingucker für alle, die vorbeikommen. Denn da passt etwas nicht zusammen, haben die kleinen und auch größeren Schuhe ihre Bodenhaftung verloren, pendeln willkürlich an den Ästen, wirken fast schmerzhaft deplatziert. Auf diese Weise sind sie ein starkes Ausdrucksmittel und bieten eine emotionale Projektionsfläche für die ganz persönlichen Gedanken und Gefühle der Vorbeikommenden. Für Eltern haben die Kinderschuhe große Bedeutung. Sie erinnern an die Verletzlichkeit ihrer Kinder, an viele schöne Momente, an Geborgenheit und Fürsorge, aber vielleicht auch an schlimme Erfahrungen aus der eigenen Kindheit.

Wünsche und Forderungen auf Zetteln

Die Aktion soll entsprechend ein Signal für Menschen sein, sich gegenseitig zu versichern und darin zu bestärken, dass Kinder ohne Gewalt aufwachsen dürfen und dass sie insbesondere vor sexualisierte Gewalt geschützt werden müssen. Das drücken dann auch die Botschaften auf Zetteln aus, mit denen Menschen die Schuhe versehen. Dort sind Wünsche und Forderungen notiert, die deutlich machen, was Politik, Kirchen, Gesellschaft und wir selbst tun müssen, um Kinder besser zu schützen. Günter Haverkamp von der Aktion Weißes Friedensband sagt: „Schön wäre, wenn diese Schutzbäume Diskussionsorte werden. Hier kann offen gesprochen werden. Menschen zeigen ihre eigene Verletztheit und stärken sich gegenseitig.“

18. November ist Tag gegen sexualisierte Gewalt an Kindern

Haverkamp hofft, dass entsprechende Initiativen nach dem ersten Schutzbaum, der im Düsseldorfer Volksgarten zu finden ist, die einfache Idee aufgreifen und noch viele weitere Schutzbäume in Deutschland mit Schuhen bestücken. Ein Stichtag für Aktionen ist der 18. November, der seit 2015 der „Europäische Tag gegen sexualisierte Gewalt an Kindern“ ist, aber bisher als solcher wenig Beachtung findet. „Dabei haben es Kinder in unserer Gesellschaft besonders schwer. Die Gefährdung von Kindern wird von der Gesellschaft schicksalhaft hingenommen. Einzelfälle werden stark diskutiert und dann legt sich wieder das Schweigen über das Tabuthema“, sagt Haverkamp und hofft auf reges Interesse und viel Teilnahme. Denn, so ist er überzeugt, nur wenn sich gesellschaftliche Umgangsformen ändern und sexualisierte Gewalt eindeutiger als bisher geächtet werde, lassen sich Kinder in Zukunft nachhaltig davor schützen.

Schutzbaum-Aktion

Kinderschuhe in Bäumen sowie Zettel mit entsprechenden Notizen machen auf die Notwendigkeit aufmerksam, Kinder besser vor sexualisierter Gewalt zu schützen.


Aktion Weißes Friedensband e. V., Telefon 0171.837 92 30, Mail haverkamp@friedensband.denein.friedensband.de

Kategorien: Stadtleben , Gelassen erziehen , Gesunde Familie