Erziehung

Libelle-Serie: Digitale Familie

Juliane Faller / Tanja Römmer-Collmann · 22.10.2020

© Bro Vector – AdobeStock

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Spielen per App, Lernen mittels digitaler Plattform – nicht zuletzt die Coronazeit zeigt: Ohne digitale Geräte ist der Alltag unserer Kinder nicht mehr vorstellbar. Das wirft für Eltern, die medial ganz anders aufgewachsen sind, oftmals kniffelige Erziehungsfragen auf. Die Libelle startet eine Serie mit Informationen, Interviews, Tipps und Denkanstößen rund um die „digitale Familie“.

So fängt es an: „Mama, dürfen wir noch etwas schauen?“ Es ist kurz nach halb sechs und ein langer Tag liegt hinter den Kleinen. Die Chance, dass die nächste halbe Stunde in einträchtiger Geschwisterliebe verbracht wird, während Mama das Abendessen zubereitet, geht gegen Null. Wie praktisch also, dass da dieser nette viereckige Kasten im Wohnzimmer steht oder auch das kleinere, flache Gerät auf dem Sofa liegt, die der ganzen Familie eine halbe Stunde Pause gönnen, in welcher die Kinder wie betäubt auf die bewegten Bilder starren. Wenn wir ehrlich sind, können wir uns ein Leben ohne sie oftmals nicht mehr vorstellen, die digitalen Helfer, die uns das Leben leichter machen. Und die allermeisten Kinder verfallen dem Sog der digitalen Unterhaltung und wollen ab sofort möglichst oft und viel davon. Ab diesem Moment sind die Eltern dafür verantwortlich, dass Tablet, Smartphone, Computer und TV altersgerecht eingesetzt werden und nicht zu viel Raum im Kinderleben einnehmen – und das wird mit zunehmendem Alter der Kinder nicht einfacher.

Immer länger am Computer ...

In der Coronazeit, in der Sport- und Freizeitangebote und vor allem das Treffen mit Freund*innen lange ausfielen, zeigt sich: Die wöchentlichen Bildschirm- und Computerspielzeiten von Kindern und Jugendlichen sind drastisch in die Höhe geschnellt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung zur Mediennutzung der Hamburger Krankenkasse DAK-Gesundheit zusammen mit Forschern des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Demnach stieg bei Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen zehn und 17 Jahren die durchschnittliche digitale Spieldauer werktags deutlich an: Während sie im September 2019 noch bei knapp 80 Minuten lag, kletterte sie im April – also rund vier Wochen nach Beginn der Corona-Beschränkungen – auf fast 140 Minuten. Neben Kindern wurden in der Untersuchung auch Erziehungsberechtigte in rund 1.200 Familien befragt. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig (CSU), sprach angesichts der Zahlen von einem „heftigen Anstieg“, der so nicht weitergehen dürfe. „Was wir brauchen, ist eine bessere Medienkompetenz, gerade bei Kindern und jungen Erwachsenen überall in Deutschland. Sie müssen wissen, wie viel noch okay ist und ab wann es zu viel wird“, sagte Ludwig gegenüber Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Libelle-Serie „Digitale Familie“

Eine „bessere Medienkompetenz“ einzufordern, ist leichter gesagt als getan. Vielen Eltern gefällt es ja auch nicht, dass ihre Kinder ständig am Smartphone daddeln und sich mit dem Gerät stundenlang nahezu bewegungslos auf Sofa oder Bett aufhalten. Aber die Hürden, alternative Aktivitäten anzubieten, die vom Kind auch noch gut gelaunt als gleichermaßen attraktiv angenommen werden, sind oftmals so hoch, dass die Familie in eine Art digitaler Spirale gerät: Dann setzt sich Mutter oder Vater eben vor dem Spaziergang auch nochmal zehn Minuten mit dem Smartphone hin ... und nochmal fünf Minuten ... bis womöglich aus dem gemeinsamen Spaziergang gar nichts mehr wird. Um Eltern eine Hilfestellung und einen gedanklichen Einstieg in das Thema zu geben, hat die Libelle mit verschiedensten Expert*innen gesprochen, stellt unterschiedliche Meinungen und Ansätze vor, beschäftigt sich ganz konkret mit den aktuellen digitalen Angeboten und natürlich auch Konzepten, die geforderte Medienkompetenz zu erwerben. Die Ergebnisse stellen wir in den kommenden Wochen und Monaten in der Libelle-Serie „Digitale Familie“ vor.

Den eigenen Weg finden

Denn eins ist klar: Medienkompetenz ist ein Familienthema. Wenn Eltern möchten, dass sich etwas ändert am Medienverhalten ihrer Kinder, müssen sie sich ihrer Vorbildfunktion bewusst sein. Wer selbst den halben Tag am Handy hängt, hat es schwer, dem Kind zu vermitteln, anders damit umzugehen. Aber andererseits bietet die Digitalisierung im familiären Alltag natürlich auch viele Vorteile: Familientermine lassen sich organisieren, Informationen über Öffnungszeiten einholen, das Spielplatzwetter checken und Kochrezepte suchen. 75 Prozent der Eltern geben an, dem Smartphone eine wichtige Bedeutung bei der Organisation des Familienalltags beizumessen. „Es gibt unter Eltern den Bedarf, den Alltag durch digitale Tools besser zu strukturieren, leicht an relevante Informationen zu gelangen, sich zu vernetzen“, erklärt Anna Figoluschka, die Initiatorin des Netzwerks „Digitale Elternhelfer“. Die digitalen Medien einfach zu verteufeln, ist also längst keine Option mehr. Es bleibt also nur, sich eine eigene Meinung zum digitalen Familienalltag zu bilden und den individuellen vernünftigen Mittelweg auszuloten – wozu die Libelle-Serie „Digitale Familie“ Informationen und Denkanstöße geben möchte. Und das natürlich nicht nur hier im Heft, sondern auch online!

Libelle-Serie „Digitale Familie“

Ab sofort in den Printausgaben der Libelle sowie online unter www.libelle-magazin.de.

Tags: Digitale Familie , Libelle-Serie , Serienstart

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